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Vier Rote am Fuß der Berge

„Al pié dei monti“– die „am Fuß der Berge“ liegende italienische Provinz Piemont ist keine klassische Ferienregion wie die Toskana, weniger lieblich, weniger sonnig, dafür kantiger, erdiger, tiefgründiger, für viele Besucher vor allem deshalb interessanter.

Der Charme des Piemonts ist ein herber. Der Reiz der Landschaft erschließt sich oft erst auf den zweiten Blick, vor allem, wenn man die Region in den Herbstmonaten bereist, in denen häufig Nebel („Nebbia“) über der Landschaft liegt.

Abgesehen vom Großraum Turin ist das Piemont eine ländliche Region. Der Weinbau ist geprägt von bekannten Winzern mit klingenden Namen wie Domenico Clerico, Elio Altare oder Angelo Gaja, sowie von vielen kleinen, bäuerlich-familiären Kellereien mit oft nur wenigen Hektar Rebfläche.

Berühmt ist die kräftige Küche mit Risotti, Trüffeln, Polenta, Kastanien, Fleisch, Wild, Geflügel und aromatischen Käsesorten. Zu dieser robusten „Erdigkeit“ passen auch die Weine: Weltberühmt sind die zwei großen, nach Weinbaudörfern benannten Rotweine Barolo und Barbaresco. Sie haben sich einen Stammplatz auf den Top-Weinkarten der Welt erobert.

Beide werden aus der Nebbiolo-Traube produziert, zeichnen sich durch enorme Kraft, Fülle und Langlebigkeit aus, sind körper-, säure- und tanninreich, erst nach längerer Reifezeit trinkbar. In ihrem komplexen Aroma mag man Pflaumen, Rosen, Teer, dunkle Kirschen, Tabak, Bitterschokolade, Lakritze, schwarze Oliven, Kräuter, Erde und Unterholz erkennen.

Beide Weine ähneln einander im Stil, dennoch gibt es Unterschiede: Für Angelo Gaja, der am meisten zur enormen Qualitätssteigerung des Barbarescos ab den 1960er-Jahren beitrug, ist er der delikatere, elegantere, aromatischere Wein der beiden. Den muskulöseren, überwältigenderen Barolo bezeichnete Gaja einmal als den John Wayne unter den Weinen.

Moderne Ausbaumethoden und subtilerer Holzeinsatz, teilweise unter Verwendung kleiner Eichenfässer, machen die in ihrer Jugend harten und tanninreichen Weine heute eleganter, geschmeidiger und eher trinkbar als in früheren Jahren. Dennoch muss Barolo vor dem Verkauf mindestens drei Jahre lagern, davon zwei im Holzfass, Barbaresco zwei Jahre, eins davon im Fass. Nicht zuletzt diese langen Reifezeiten erklären die mitunter sehr hohen Preise.

Wer nach preiswerteren, zugänglicheren, weicheren, dennoch anspruchsvollen Rotweinen aus dem Piemont sucht, ist etwa mit der bittersüßen Barbera aus der gleichnamigen Rebsorte gut bedient, die von Pionieren wie Gaja aus dem Schatten der beiden Riesen Barolo und Barbaresco geführt wurde. Typisch für Barbera ist neben der frischen Säure ein leicht bitteres Kirschenaroma.

Ebenfalls angenehm preiswert: der relativ weiche und trotz seines Namens nicht süße, sondern trockene Dolcetto aus der gleichnamigen Rebe, ein lebendiger Rotwein für jeden Tag, mit einer frischen, verführerischen Frucht, der meist jung, zwei bis drei Jahre nach der Ernte getrunken wird.


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