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„Alte Reben“, „Old Vines“, „Vielles Vignes“: Dieser Zusatz auf einem Weinetikett verspricht hohe Qualität, Reife, Tiefe, Konzentration, Vielschichtigkeit und große Aromenvielfalt des Weins. Rotweine aus alten Reben haben weniger primär-, d. h. traubenfruchtige Aromen, statt dessen die typische Alte-Reben-Aromatik von Graphit (gespitzter Bleistift), Bitterschokolade, Teer, Lakritze und Zedernholz. Weißweine sind meist ausgeprägt mineralisch bis salzig, und bieten eine enorme, „dunkelgelbfruchtige“, bisweilen honigartige Aromenkonzentration. Mehr Charakter im Alter Eine exakte Definition oder gar gesetzliche Regelung, was man unter „Alten Reben“ versteht, gibt es ausnahmsweise nicht. Doch wird man bei Rebstöcken von 20 Jahren oder jünger wohl kaum von „alt“ sprechen können. In der Weinbranche gilt als Konsens, dass man Reben erst ab einem Alter von etwa 40 Jahren tatsächlich als „Alte Reben“ bezeichnet. Ein Rebstock wird oft mit einem Menschen verglichen: in der Jugend kräftig wachsend, manchmal ungestüm, sodass man ihn leiten und zügeln muss, in seiner Persönlichkeit noch wenig ausgeprägt. Im Alter: langsam wachsend, genügsamer, wenig Ertrag, aber mehr Charakter.
An alten Reben ist – im buchstäblichen Sinn – etwas dran: Trauben von höchster Qualität. Alte Rebstöcke kommen in der Regel auch besser mit Stress durch Hitze, Trockenheit oder Krankheiten zurecht. 80 bis 100 Jahre
Kein Wunder also, dass jeder Winzer seine ältesten Reben als wertvolles Kapital sieht. Aufgrund der großen Umbrüche des Weinbaus in den letzten Jahrzehnten ist der Anteil alter, ertagsschwacher Reben stark zurückgegangen. Zum Großteil wurden sie durch Massenträger ersetzt. Nur in Gebieten, die vor großen „Rekultivierungsmaßnahmen“ und Neupflanzungen verschont geblieben waren, gibt es noch kleinere Anlagen mit 80 bis 100 Jahre alten Rebstöcken: In Spanien etwa in den Regionen Priorat, Bierzo und Cigales mit den Sorten Garnacha, Carineña, Mencía, Tempranillo; in Südfrankreich etwa die Gebiete Languedoc und Roussillon mit Grenache-, Syrah- und Mourvèdre-Reben. Roland Velichs Blaufränkisch aus alten Reben Beim Kauf oder Pachten von Weingärten reißen sich die qualitätsbewussten Winzer um Bestände mit möglichst alten Rebstöcken. So suchen kleine, häufig von Weinfreaks gegründete „Garage Wineries“ in Spanien und Südfrankreich gezielt nach uralten Rebbeständen, die von ihren bisherigen Besitzern vernachlässigt wurden – oft in Unkenntnis des Potenzials bzw. aus Unlust, die meist schwer zugänglichen, steilen, arbeitsintensiven, mengenmäßig wenig ertragreichen Weingärten zu bewirtschaften. Auch Roland Velich, Pionier des „neuen“ Blaufränkisch-Stils in Österreich, suchte für sein Projekt „Moric“ im Mittelburgenland bewusst alte Blaufränkisch-Anlagen. In Lutzmannsburg und Neckenmarkt fand er Parzellen mit rund 100 Jahre alten, charaktervollen, langsam wachsenden Stöcken, die allen Rodungsmaßnahmen bzw. der Umstellung auf die Lenz Moser’sche Hochkultur entgangen waren. Dass Velich damals mit den „Alten“ den richtigen Griff getan hatte, zeigt heute – zehn Jahre danach – der Erfolg seiner Blaufränkisch-Weine „Alte Reben Lutzmannsburg“ und „Alte Reben Neckenmarkt“ auf der internationalen Bühne. Alte Reben Lutzmannsburg 2007, Moric Alte Reben Neckenmarkt 2007, Moric Nussberg Alte Reben 2008, Gemischter Satz, Fritz Wieninger Riesling Spätlese trocken, Alte Reben, Rüdesheimer Berg Rottland, Johannes Leitz Grüner Veltliner Alte Reben 2009, Gerhard Markowitsch Muscadet Sevre et Maine Vielles Vignes 2008, Domaine Gadais, Loire Vieilles Vignes Côtes du Roussillon-Villages Rouge 2006, Domaine Gauby Châteauneuf-du-Pape Blanc 2007, Roussanne Vielles Vignes, Château de Beaucastel zur Übersicht |