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Kühle Rote aus dem Kamptal

„Das Kamptal bietet dem Winzer heute mehr denn je die Möglichkeit, feingliedrige rote Spitzenweine mit unverwechselbarem Charakter zu erzeugen“, sagt Willi Bründlmayer.

Der vielfach ausgezeichnete Top-Winzer aus Langenlois, international vor allem für hervorragende Weißweine bekannt, Stichwort Riesling Zöbinger Heiligenstein, erklärt warum: „In den letzten 30 Jahren ist aufgrund der Klimaerwärmung die Durchschnittstemperatur in unserer Gegend um 0,7° C gestiegen. Blüte und Traubenreife setzen etwa zwei Wochen früher als in den 1950er-Jahren ein.“

Der umsichtige Winzer hatte bereits vor Jahren begonnen, die Standorte für frische und leichte Weißweine der Sorten Riesling und Grüner Veltliner von ursprünglich 200-250 m Seehöhe weiter nach oben, auf kühlere 300-400 m zu verlagern, und auf den niedriger liegenden, wärmeren Parzellen Rotweinsorten anzupflanzen.

Als beste Rotweinlagen im Kamptal erweisen sich windgeschützte Süd-Osthänge, etwa der bekannte „Langenloiser Dechant“.

Gehätschelte Burgundersorten

Schon der Vater des Winzers pflanzte rote Sorten aus, heute liegt der Rotweinanteil des Weinguts mit rund 20 Hektar bei einem Drittel der Gesamtproduktion – für Betriebe in dieser Gegend ein sehr hoher Wert. Für Bründlmayer ist es „... eine besondere Herausforderung, in unserem klimatischen Grenzgebiet feine, bekömmliche Rotweine mit markanter Persönlichkeit heranzuziehen.“

Besonders wohl fühlen sich die von der Familie „gehätschelten“ Burgundersorten Pinot Noir und der seltene St. Laurent, sowie Zweigelt, die alle hier schon seit Jahrzehnten kultiviert werden. Die klimabedingt verlängerte Vegetationsperiode kommt nun aber auch den später reifenden Bordeauxsorten Cabernet Franc und Merlot zugute.

Bei den Rotweinen sind ihm Tiefe und Wärme wichtiger als Frische, daher nimmt Bründlmayer hier, anders als bei den Weißen, einen biologischen Säureabbau (malolaktische Vergärung) vor.

Die Weine werden in großen, 2.500-Liter-Holzfässern und teilweise in gebrauchten 300- Liter-Fässern ausgebaut, neue Barriques werden nicht verwendet. Bründlmayer ist nie den Weg der vanillig-süß-üppigen Rotweine gegangen, auf den sich so mancher österreichische Winzer in den letzten Jahren „verirrt“ hatte.

Kühler Rotweintyp

Das spezifische Kleinklima im Kamptal, die Böden, das Können, Umsicht und Erfahrung Bründlmayers bringen einen „kühlen“ Rotweintyp hervor: feingliedrig, elegant, gut strukturiert, mit kernigen Tanninen, mineralischen Noten, angenehmer, bekömmlicher Säure und moderaten 12 bis 12,5 % Alkohol: Man bekommt Lust, eine zweite Flasche zu öffnen.

Es sind hervorragende Speisenbegleiter, die ideale Trinktemperatur liegt bei 18° C. Die Weine haben eine Frische, die vor allem auch im Sommer angenehm ist.

Der Winzer: „Unsere Rotweine schmecken nicht modern. Sie sind keine üppigen Zuckerl- und keine Mainstream-Weine. Sie schmecken eher wie feine Burgunder vor 25 Jahren. Viele in ihrem Geschmacksempfinden fortgeschrittene Weinfreunde mögen genau diesen Weintyp.“

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