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Morei, Sgarzon, Fontanasanta

Elisabetta Foradoris neue Lagenweine 2010 – biodynamisch und in Amphoren bereitet.

Elisabetta Foradoris vier neue, eben auf den Markt gekommenen Weine des Jahrgangs 2010 sind in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes: Einerseits sind die roten Morei Teroldego und Sgarzon Teroldego sowie die weißen Fontanasanta Nosiola und Fontanasanta Manzoni Bianco der – vorläufige – Höhepunkt einer interessanten und spannenden Entwicklung des Weinguts.

Andererseits spiegeln diese finessenreichen, komplexen Weine die Philosophie der Trentiner Winzerin auf das Klarste wider. Denn in ihnen verbinden sich regionaltypische Rebsorten mit dem individuellen Charakter der Weingärten, mit der Biodynamik und mit der archaischen Methode, Weine in Amphoren zu bereiten.

Der Charakter des Weingartens

Der Biodynamik hatte sich Foradori bereits vor zehn Jahren zugewandt: „Die biodynamische Bewirtschaftung hat die Weingärten in eine gute Balance gebracht und dazu geführt, dass ihre jeweiligen Eigenheiten klar zu Tage treten. Die Weingärten haben einen ‚direkten’ Charakter bekommen. So habe ich mich entschlossen, Weine der Lagen Morei, Sgarzon und Fontanasanta jeweils separat in Amphoren zu bereiten.“
Zur Erklärung: Die Klassiker des Weinguts – „Foradori“ und „Granato“ – werden nach wie vor aus Teroldego-Trauben verschiedener Weingärten produziert, sind also im Gegensatz zu den neuen Weinen jeweils Cuvées mehrerer Lagen.

Warm, dicht, mineralisch, dunkel

Die Weingärten Morei und Sgarzon – aus ihnen kommen die beiden neuen „Teroldego-Crus“– liegen in unmittelbarer Nähe von Foradoris Weingut in der Campo Rotaliano genannten Ebene bei Mezzolombardo. Der Boden? Schotter, Kieselsteine, Kalk, Porphyr, Granit, Dolomit und anderes Geröll, das der Fluss Noce in Millionen von Jahren aus dem Gebirge bis hierher zu seiner Mündung in die Etsch geschwemmt hat. „Steine oben, Steine unten“, so die Winzerin lakonisch.

Morei wird von nahen, jäh aufragenden Felswänden vor kalten Nordwinden geschützt,
der Fels speichert tagsüber Wärme, die nachts auf den Weingarten abstrahlt. Der Boden
hier ist sehr steinig, daher relativ warm, dicht, mineralisch und dunkel – so wie der gleichnamige Teroldego: Morei heißt im Trentiner Dialekt dunkel.

Schlank, feinfruchtig, würzig

Sgarzon – das Wort bezeichnet die Triebe der Reben und spielt auf die außerordentliche Vitalität der Pflanzen in diesem Weingarten an – ist zwar kaum mehr als einen Kilometer Luftlinie von Morei entfernt, doch hier hat der Noce mehr Sand in den oberen Bodenschichten abgelagert. Die Parzelle ist offener, daher vor kalten Winden weniger geschützt, die Trauben reifen eine Woche später, die Weinstöcke sind jünger als jene in Morei. Foradori: „Sgarzon ist in Bezug auf das Mikroklima und den Boden die kühlere Lage. Sie bringt einen eher schlanken, feinfruchtigen, würzigen Teroldego hervor.“

Nosiola und Manzoni Bianco aus dem „heiligen Brunnen“

Für Nosiola und Manzoni Bianco, die beiden neuen Weißweine, hat die Winzerin Weingärten in den Hügeln nordöstlich der Stadt Trient gepachtet. Der magere, dichte, von Ton und Kalk geprägte Boden in der Lage Fontanasanta ist ideal für die Sorten Nosiola und Manzoni, verleiht ihnen feinfruchtige Noten und einen Hauch „Salzigkeit“. Mehrere Quellen gaben dem Fleckchen seinen Namen: Fontanasanta – heiliger Brunnen.

Die Nosiola ist eine seltene Varietät, vermutlich die älteste im Trentino. Sie liebt karge Böden wie jene in Fontanasanta und wurde auch in der Vergangenheit immer mit den Schalen vergoren. Eine Tradition, der Elisabetta folgt. In ihren Amphoren wird aus der Nosiola ein strohgelber, fruchtig-aromatischer, frisch-delikater Wein mit leicht bitterem, bisweilen zart-nussigem Geschmack. Aber er braucht Zeit und Luft, um sich im Glas zu entwickeln, wird idealerweise zum Essen getrunken – mit einer Mindesttemperatur von 15° C.

Die Amphore ist ein wunderbares Gefäß

Die Eigenheiten der Lagen Morei, Sgarzon und Fontanasanta werden durch die Weinbereitung in 400 Liter fassenden Ton-Amphoren auf den Punkt gebracht, durch sie bekommen die Rebsorten und der Wein ein klares Profil, eine deutliche Charakteristik.
„Die Amphore ist ein wunderbares Gefäß. Die Trauben haben die Energie des gesunden Bodens in sich, Material und Form der Amphore stellen die Verbindung zwischen Kosmos
und Erde her. Da die Amphoren geschmacksneutral sind, bringen sie die Reinheit der Rebsorte und der Böden verstärkt zum Ausdruck“, so Elisabetta.

Der einzige der vier neuen Foradori-Weine, der nicht in Amphoren entsteht, ist der Fontanasanta Manzoni Bianco. Er wird in Betontanks vergoren – aus biodynamischer Sicht der „zweitbeste“ Gärbehälter – und dann samt den Schalen und auf der natürlichen Hefe in 20-Hektoliter-Fässern aus Akazie gereift.
Warum keine Amphoren? Elisabetta: „Die Amphore braucht eine eher ‚neutrale’ Rebsorte. Die Manzoni wäre zu intensiv für die Amphore. Deshalb habe ich mich für Akazienholz entschieden.“ Warum? „Akazie ist ein im Trentino heimisches Holz. Die Feinheit der Blätter, die Duftigkeit der Blüten – das passt gut zur Manzoni. Eiche hat im Trentino keine Tradition. Sie kam erst in Form von Weinfässern in unsere Region.“

Die Manzoni Bianco ist eine in den 1930er-Jahren eingeführte Kreuzung aus Riesling und Weißburgunder, benannt nach ihrem „Schöpfer“, dem Direktor der Weinbauschule Conegliano, Luigi Manzoni. Typisch sind die strohgelbe Farbe, das elegante Bouquet, zarte Noten nach Heublumen und Honig. Am Gaumen ist der Wein voll, weich und von angenehmer Säure.

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