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Neues von der nördlichen Rhône René Rostaing, der Grandseigneur und Yann Chave, der stille Arbeiter
Côte Rôtie & Syrah
René Rostaing aus Ampuis, der Grandseigneur unter den Winzern der nördlichen Rhône, ist ein eleganter, charmanter Mann. Man sieht nur an seinen Händen, dass er täglich im Weingarten und Keller arbeitet – so wie alle „kleinen“ Rhône-Winzer, die sich als Weinbauern und nicht als Manager fühlen.
Rostaing ist einer der seit langem etablierten Top-Winzer der Region. Er begann 1971 mit 1,5 Hektar, auch heute bewirtschaftet er gerade einmal 8 Hektar.
In den besten Lagen auf steilen, sonnendurchglühten Granit-Terrassen wächst der Syrah für seine großartigen, nach der nur 229 Hektar großen Appellation benannten Côte Rotie-Weine: von der als Einstieg ins Thema wunderbar geeigneten Cuvée Classique (Trauben aus 13 verschiedenen Lagen) über den La Landonne bis hin zum Top-Rotwein Rostaings: Der Côte Blonde ist der perfekte Ausdruck dieser Spitzenappellation an der Nord-Rhône – „die Essenz der Côte Rôtie“, so Rostaing. Ein großer Wein, von dem es nur 5.000 Flaschen gibt und der leicht 20 bis 25 Jahre hält, wie der Winzer versichert.
Reinheit der Frucht, Charakter des Terroirs
Rostaings handwerklich produzierte Weine zeigen sehr viel Persönlichkeit: In seinen Händen bringt der Syrah, der hier an der Côte Rôtie auf Böden aus Granit, Glimmer, Schiefer, Ton, Kalk und Eisenoxiden wächst, sein typisches Aromenpotenzial voll zur Entfaltung: rote Beeren, Kräuter, exotische Noten nach Tabak, Zimt, Veilchen, Lakritze – kombiniert mit kräftigen Tanninen, dennoch fein und frisch.
Der Winzer vergärt die roten Trauben in rotierenden Stahltanks – wegen des besseren Most-Maische-Kontaktes und der dadurch besseren Farb- und Aromenausbeute. Er lässt die Weine in 228-Liter- bzw. 600 Liter-Eichenfässern reifen, hält dabei den Antei an neuem Holz sehr gering, „um die Reinheit der Frucht und den Charakter des Terroirs nicht zu beeinträchtigen.“
Condrieu & Viognier
Neben den Rotweinen von der Côte Rôtie widmet sich Rostaing auch einem Weißwein: Die benachbarte 124 Hektar kleine Appellation Condrieu ist bekannt für ihren gleichnamigen Wein aus der hier beheimateten Viognier-Rebe. Rostaing bewirtschaftet hier einen kleinen, nur einen Hektar umfassenden Weingarten mit sandigen Granit-Böden.
Sein Lagenwein Condrieu La Bonette ist ein mustergültiger Viognier: kräftig, dicht, mit Noten nach exotischen gelben Früchten, Honigwaben, gleichzeitig mineralisch und ein wenig „salzig“.
René Rostaing versteht es, das typische Selbstbewusstsein französischer Winzer mit feiner Ironie zu verbinden. Zitat während unserer (Blind)Verkostung: „Ich bin bereit, Ihnen diesen Wein zu verkaufen – wenn Sie ihn erkennen!“
Die Hermitage, ältester Weinberg Frankreichs
Persönlich ganz anders tritt Yann Chave aus Mercurol auf: bescheiden, zurückhaltend, fast introvertiert. Man trifft ihn im Weingarten oder im Keller, kann ihn optisch nicht von seinen Arbeitern unterscheiden und sieht ihm nicht an, dass er zu den besten jungen Winzern der nördlichen Rhône zählt.
1,5 Hektar seiner Weingärten liegen in der Hermitage, jener legendären, nur 134 Hektar großen Steillage im Rhône-Knie. Die Hermitage gilt als ältester Weinberg Frankreichs – angelegt vermutlich um 600 v. Chr., als Wiege des Syrah in Europa und verdankt ihren Namen einer Einsiedlerkapelle oben am Hügel: ganz schön viel Tradition auf einmal!
In dieser südöstlich exponierten, freien Weinbergslage findet der Syrah Bedingungen vor, die ihn zur Höchstform auflaufen lassen: In den Hermitage-Weinen verbinden sich „animalische Kraft, liebliche Frucht und wildes Parfum“, wie Oz Clarke, einer der großen alten Männer des Weinjournalismus schwärmt.
In diese Kategorie fällt auch Yann Chaves Spitzenwein mit dem traditionsgemäß einfachen, der Appellation entsprechenden Namen „Hermitage“. Er wird aus alten Syrah-Reben handwerklich produziert und in Eichenfässern gereift, schmeckt aber kein bisschen nach Vanille, denn auch für Chave zählt nur der natürliche Ausdruck von Frucht und Terroir. Ein toller Wein!
Crozes-Hermitage
Der Großteil der Weingärten Chaves liegt in der an die Hermitage angrenzenden, zehnmal größeren, weitaus jüngeren und flacheren Appellation Crozes-Hermitage. Die Böden sind hier dominiert von den Kiesablagerungen der nahen Rhône, rotem Sand, Kalk und Löss. Auch hier ist Syrah die Rotweinrebe schlechthin, wird aber im Gegensatz zur Hermitage, wo sie aufgrund der Steilheit an Einzelstöcken steht, am klassischen Drahtrahmen gezogen.
Die Crozes-Hermitage-Weine sind sehr gefragt, da sie mit ihrem rauchig-dunkelfruchtigen Charakter die Syrah-Rebe gut repräsentieren, in größeren Mengen zur Verfügung stehen und preisgünstiger sind als die Hermitage-Weine. Und bei guten Winzern wie Yann Chave stimmt auch die Qualität.
Chave bietet mit dem einfacheren „Crozes-Hermitage“ (100% Syrah) einen preisgünstigen Einstieg in diese Region. Sein Spitzenwein aus dieser Appellation ist der ebenfalls reinsortige Syrah „Crozes-Hermitage Le Rouvre“ – benannt nach der gleichnamigen Eiche (= Trauben-Eiche) aus dem Massif Central. Aus dem besonders feinporigen Holz dieser Eichen sind die 600 Liter-Fässer hergestellt, in der der Le Rouvre reift. zur Übersicht |