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Noch nie haben so viele Frauen so viele gute Weine gemacht: sind sie die besseren Winzer? 2005 erregte die Südafrikanerin Ntsiki Biyela Aufsehen in der Weinbranche – als erste schwarze Önologin der Welt. Damit war nicht nur die Geschlechter-, sondern auch die Rassenschranke beim lange Zeit männlich dominierten Beruf Winzer überwunden. Längst vorbei die Zeiten, als Weinmachen und -trinken Männersache war, in exklusiven Herrenrunden dem guten Tropfen gehuldigt wurde und das weibliche Geschlecht auf die dekorative Rolle als Weinkönigin oder Fotomodell für Jungwinzerinnen-Kalender beschränkt war. Immer mehr Frauen behaupten sich in der Weinwelt: als Studentinnen an Weinfachschulen, Weinjournalistinnen, Sommelièren. Auch auf den Weingütern werden Frauen immer wichtiger, sei es als starke, nicht immer in die Öffentlichkeit drängende Frau hinter einem erfolgreichen Ehemann oder Vater. Sei es im Management oder immer häufiger in der Produktion – als Winzerin. „Noch nie haben so viele Frauen so guten Wein gemacht“, so Joel Payne, Chefredakteur der Deutschland-Ausgabe des Weinführers Gault Millau.
Töchter, Ehefrauen, Schwestern Rosi Schuster aus dem Burgenland musste im Jahr 1979 als ältere von zwei Schwestern das kleine Weingut ihrer Eltern übernehmen, ohne viel gefragt worden zu sein. Sie behauptete sich und ging konsequent ihren Weg, der sie zur ersten Spitzenwinzerin Österreichs führte. Andere erfolgreiche Winzerinnen wuchsen schon von Kindesbeinen an Schritt für Schritt in die praktische Arbeit auf dem Weingut der Eltern hinein, um schließlich gemeinsam mit dem Vater oder in Eigenverantwortung Weine zu produzieren, etwa Silvia Prieler im Burgenland oder Eva Clüsserath an der Mosel. Sylyie Esmonin aus der Burgund pflegt Rebstöcke, die schon ihr Großvater gepflanzt hat und kann mit ihren Pinot Noirs nicht nur mit den besten männlichen Kollegen mithalten, sondern übertrifft viele davon sogar.
Regina Triebaumer aus dem Burgenland, Weinexpertin mit fundiertem Knowhow und internationaler Erfahrung, führte gemeinsam mit Alois Kracher die Fine Wine Trade im burgenländischen Gols, heiratete später den Winzer Günter Triebaumer aus Rust und steht ihm nun als kongeniale Lebens- und Geschäftspartnerin zur Seite.
Önologinnen & Managerinnen
Die gebürtige Schweizerin Barbara Kronenberg-Widmer brachte das von ihren Eltern in der Toskana gegründete Weingut Brancaia binnen kurzer Zeit an die Spitze der Chianti-Kellereien, hat sich von ihren Beratern inzwischen emanzipiert und ihren eigenen Stil gefunden. Frauen wie Carol Duval-Leroy oder Elisabeth Chartogne-Taillet sind nicht als Önologinnen, sondern als Leiterinnen ihrer Champagner-Häuser tätig, die zu den besten der Branche gezählt werden. Andere wieder haben den Wein als „Zweitkarriere“ für sich entdeckt, wie etwa Silvia Imparato, die in Italien bereits eine namhafte Fotografin war, bevor sie sich dem Aufbau des Weingutes Montevetrano in der Nähe von Neapel widmete. Der von ihr produzierte gleichnamige Wein gilt als eine der Ikonen des modernen italienischen Weinbaus und fährt Jahr für Jahr höchste Bewertungen der Fachpresse ein. Auch Virginie Saverys kam spät zum Wein als Beruf. Die gebürtige Belgierin, studierte Übersetzerin und Juristin, übernahm im Sommer 2009 das toskanische Elite-Weingut Avignonesi von den Falvo-Brüdern, nachdem sie schon in den letzten Jahren am Unternehmen beteiligt gewesen war. Saverys gab ihren bisherigen Beruf in der Reederei-Branche auf und zog nach Italien, um sich voll und ganz dem Weingut zu widmen. Nicht weit entfernt, auf der Tenuta di Capezzana in Carmignano, führen ebenfalls Frauen Regie: Benedetta Contini Bonacossi ist für den Keller, ihre Schwester Beatrice für das Management zuständig. Weiter südlich, in Sizilien, liegt die Leitung des Weingutes Planeta in den Händen von Francesca Planeta, die sich Aufgaben und Verantwortung mit ihren Cousins Santi und Alessio teilt.
Was machen Winzerinnen anders?
Aber: Was machen sie anders als ihre männlichen Kollegen? Weitgehende Überstimmung scheint darüber zu herrschen, dass sich Winzerinnen als sehr gute, sensible Verkosterinnen erweisen, feine Nasen und mehr Gefühl für Aromen zu haben scheinen als das Gros der männlichen Winzer.
Frauen wird gern ein genetischer Vorteil zugeschrieben, bei den Supertastern ist der Frauenanteil auch wesentlich höher. Wenn auch Erfahrung und Übung durch nichts zu ersetzen sind, scheint es dennoch so zu sein, dass Frauen anders verkosten: Sie philosophieren und „g’scheidln“ weniger über Weine, beurteilen dessen Qualität meist sicherer und schneller als viele Männer.
Teamwork & soziale Kompetenz Oder sind auch das wieder nur geschlechtsspezifische Vorurteile? Winzerinnen setzen offenbar auch mehr auf Kooperation als auf Konkurrenz, mehr auf Teamwork als auf Einzelkämpfertum. Das zeigen verschiedene Vereinigungen, die ausschließlich Winzerinnen in ihre Reihen aufnehmen. Als begnadete Netzwerkerin gilt etwa Heidi Schröck aus Rust im Burgenland. Sie war jahrelang Vorsitzende des Cercle Ruster Ausbruch, ist Lektorin an der Weinakademie, Mitglied bei den italienischen Donne del Vino und schloss sich mit zehn anderen Winzerinnen zum Club „11 Frauen und ihre Weine“ zusammen.
Deren Philosophie: „Winzerinnen, die erkannt haben, dass Gemeinsamkeit, Toleranz, Neugierde, Freundschaft und Herzlichkeit nicht nur wichtig sind, sondern fundamentale Tugenden für ein gelungenes Leben und Arbeiten darstellen.... Wesentliches Ziel der 11 Winzerinnen ist, neben dem Erfahrungsaustausch in der hohen Kunst der Produktion edler Weine, jungen Kolleginnen Mut zu machen, dass es im Beruf Winzerin eine Zukunft gibt.
Diese Wortwahl zeigt, dass neben fachlicher Kompetenz und Qualität offenbar auch viel Herz und soziale Kompetenz im Spiel ist, wenn der Wein in Frauenhänden liegt. zur Übersicht |