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Sweet Wine Maker of the Year 2009: Gerhard Kracher erweist sich als würdiger Nachfolger seines Vaters Alois
Erfolgreiche, weltberühmte Väter sind für deren Söhne stets Hypothek und Herausforderung zugleich. Nur wenige bewältigen dies so locker wie Gerhard Kracher.
Auf die Frage, ob es denn nicht schwer sei, in die Fußstapfen des großen Alois Kracher zu treten, sagt er: „Weil ich die meisten Geschäftspartner gekannt habe, habe ich mir leicht getan, aber sie haben es mir auch leicht gemacht. Dass manche Leute nicht das Vertrauen in mich setzen und mir auf die Finger schauen, ist mir klar. Das ist halt so. Darüber darf ich mir keinen großen Kopf machen.“ (Wirtschaftsblatt, März 2009)
Eventuell vorhandene, letzte Zweifel sollten spätestens ausgeräumt sein, seit Gerhard Kracher bei der International Wine Challenge im September 2009 in London zum „Sweet Wine Maker of the Year“ gekürt wurde. Eine Auszeichnung übrigens, die sein Vater Alois insgesamt siebenmal bekam.
Der im Dezember 2007 im Alter von nur 48 Jahren verstorbene Süßwein-Magier Alois Kracher aus Illmitz im burgenländischen Seewinkel galt als Visionär, der nicht nur mit seinen Süßweinen zur internationalen Spitze vorstieß, sondern sich auch um den österreichischen Wein insgesamt große Verdienste erwarb.
Er kreierte einen neuen Dessertweinstil, dem Frucht, Finesse und Balance wichtiger sind als Süße. Seine Weine wurden von der Expertengemeinde einhellig auf eine Qualitätsstufe mit den besten französischen Süßweinen, etwa Château d’Yquem, gestellt.
Schöne Erlebnisse
Nach dem vorzeitigen Tod Alois’ übernahm dessen Sohn Gerhard (Jahrgang 1981) den Betrieb. Unterstützt von seiner Mutter Michaela und seinem über 80jährigen Großvater Alois sen. möchte er den eingeschlagenen Weg im Sinne seines Vaters fortsetzen. Bereits seit 1998 hatte er an dessen Seite gearbeitet und Erfahrungen gesammelt, seine erste eigene Ernte 2001 eingebracht.
Heute exportiert Kracher in 40 Länder der Welt. Gerhard will vor allem in China expandieren und die Marke Kracher „... bis in den letzten Winkel der Welt bekannt machen. Frei nach dem Motto: Überall, wo es ein ordentliches Essen gibt, soll zum Schluss ein Kracher getrunken werden. Denn eigentlich verkaufen wir unseren Kunden schöne Erlebnisse.“
Die edle Fäule
Sehr kalte Winter, ein regenreiches Frühjahr, heiße, trockene Sommer und ein langer, sonnig-milder Herbst: Das ist das pannonische Klima des burgendländischen Seewinkels. Der Neusiedlersee sorgt zudem für ein einzigartiges Mikroklima: Er mildert die sommerliche Trockenheit und sorgt im Herbst für dichte Abendnebel, die sich bis in den Vormittag halten – ideale Voraussetzungen für den Schimmelpilz „Botrytis cinerea“, die Edelfäule, die noble Süßweine erst ermöglicht.
Der Pilz befällt die Weintrauben, entzieht ihnen Wasser, sie schrumpfen rosinenartig ein, wobei sich Zucker, Säure und Aromastoffe konzentrieren. Bei der Gärung bleibt dann auf natürliche Weise ein Rest an unvergorenem Zucker zurück.
Fingerspitzengefühl
Für die Arbeit mit Botrytis braucht man viel Fingerspitzengefühl. Hier kann Gerhard Kracher auf die unendliche Erfahrung seines Großvaters Alois sen. zurückgreifen, der seinerseits schon als Pionier der Süßweinerzeugung im Seewinkel galt, bevor Alois jun. das Weingut zur internationalen Spitze führte.
Edelfaule Trauben müssen im idealen Moment geerntet werden, wenn die Beeren bereits deutlich geschrumpft sind, aber noch bevor sie zu hohe Werte an flüchtiger Säure enwickeln. Das erfordert strenge Selektion am Rebstock – daher auch der Name „Auslese“.
So geht die Erntemannschaft Krachers bis zu achtmal durch die Weingärten, um für jede Traube den richtigen Erntezeitpunkt zu erwischen. Die Individualität jedes Weins steht dabei im Vordergrund. So gibt es in den meisten Jahren bei Kracher zehn oder noch mehr verschiedene Trockenbeerenauslesen, teils als Cuvées, meist aber sortenrein ausgebaut: Welschriesling, Chardonnay, Scheurebe, Traminer, Muskat Ottonel, Zweigelt ...
Dabei stellen die Trockenbeerenauslesen „nur“ die Königsklasse der Süßweine dar, in der sich Botrytis und Frucht zu höchster Harmonie vereinen. Kracher keltert aber auch – vom Jahrgang abhängig – Auslesen, Beerenauslesen und Eisweine.
Süß ist nicht gleich Süß
Die einzelnen edelsüßen Prädikatsweine werden in Österreich gemäß Klosterneuburger Mostwaage (KMW) unterschieden, einem Maß für den Zuckergehalt des Mostes in Gewichtsprozent – je mehr Grad° KWM der Wein hat, desto süßer ist er.
• Auslese: mind. 21° KMW, ausgelesene, vollreife Trauben • Beerenauslese: mind. 25° KMW, aus überreifen, edelfaulen Trauben • Trockenbeerenauslese: mind. 30° KMW, ausschließlich aus edelfaulen, eingeschrumpften Trauben • Eiswein: mind. 25° KMW, die Trauben müssen bei der Ernte gefroren sein und noch im gefrorenen Zustand gepresst werden. Durch den Frost kristallisiert das Wasser in den Beeren, der Most wird auf natürliche Weise konzentriert. Eiswein kann erst gekeltert werden, wenn mehr als einen Tag lang Temperaturen unter -7° Celsius herrschen.
Zwischen den Seen – Nouvelle Vague
Eine Besonderheit Krachers sind die beiden, bereits von Alois Kracher jun. geschaffenen Ausbaustile der Trockenbeerenauslesen, die von Sohn Gerhard weiter gepflegt werden. Sie sind auf den Etiketten angegeben:
• Zwischen den Seen: Der Name ist im weiteren Sinn eine Lagenbezeichnung. Die Reben dieser Weine wachsen zwischen den größeren und kleineren Gewässern des Seewinkels. Diese Weine interpretieren die klassisch-burgenländische Süßweintradition neu. Sie werden im Stahltank oder im großen Holzfass ausgebaut und bleiben lange mit der Hefe in Kontakt. Typisch für diese Linie sind Frische, Frucht und primäre Traubenaromatik.
• Nouvelle Vague: In Anlehnung an die gleichnamige Bewegung des französischen Films folgt der Stil dieser Weine dem Prinzip der Offenheit und Synthese – international, zugleich aber auch eigenständig, weil Ideen und Einflüsse aus verschiedenen Weinbaugebieten zu einer neuen Einheit verschmolzen werden. Gerhard Kracher baut die Nouvelle Vague-Süßweine im Barrique aus. Charakteristisch sind Tiefe, Würze und Nachhaltigkeit.
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